Contentmanagement-Systeme im Marketing

Aufgefächerte Karteikarten stehen für Textbausteine, Bilder und Videos
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Ein Contentmanagement-System, kurz CMS, verwaltet die Inhalte einer Website über eine grafische Oberfläche. Texte, Bilder und Videos lassen sich damit ohne Programmierkenntnisse einstellen, ändern und veröffentlichen. Für Marketingabteilungen ist das die Voraussetzung dafür, Inhalte selbst zu pflegen, statt jede Änderung an die Entwicklung zu geben.

Im deutschsprachigen Raum dominieren drei quelloffene Systeme: WordPress, Joomla und TYPO3. Alle drei sind kostenlos verfügbar, unterscheiden sich aber in Zielgruppe, Aufwand und Betriebskosten erheblich. Dieser Vergleich ordnet die Systeme für den Einsatz im Marketing ein.

Drei unterschiedlich hohe Sockel mit verschiedenen Bausteinen und einer Vergleichsklammer
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Was ein CMS leisten muss

Bevor Sie ein System auswählen, sollten die Anforderungen feststehen. Im Marketingumfeld sind vor allem diese Punkte relevant:

  • Redaktionelle Arbeit: Wie viele Personen pflegen Inhalte, und wie erfahren sind sie?
  • Rechte und Freigaben: Braucht es abgestufte Rollen und einen Freigabeprozess vor der Veröffentlichung?
  • Sprachen und Standorte: Sollen mehrere Sprachversionen oder mehrere Websites aus einem System laufen?
  • Verkauf: Ist ein Shop vorgesehen, und in welchem Umfang?
  • Betrieb: Wer übernimmt Aktualisierungen, Sicherungen und Sicherheitsprüfungen?
  • Verfügbarkeit von Fachkräften: Finden Sie Dienstleister, die das System betreuen, und zu welchen Sätzen?

Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Die Software ist kostenlos, der laufende Betrieb ist es nicht. Hosting, Wartung, Erweiterungen mit Lizenzkosten und externe Unterstützung machen den größeren Teil der Ausgaben aus.

WordPress: niedrige Einstiegshürde

WordPress erschien 2003 zunächst als Blogsystem und hat sich zum meistgenutzten CMS entwickelt. Der Verwaltungsbereich gliedert sich in Beiträge, Seiten, Kategorien, Medien und Einstellungen. Die Bedienung ist in kurzer Zeit erlernbar, Redakteurinnen und Redakteure ohne technischen Hintergrund kommen in der Regel schnell zurecht.

Die große Verbreitung bringt praktische Vorteile: ein umfangreiches Angebot an Themes und Erweiterungen, viele Anleitungen und ein breiter Markt an Dienstleistern. Für Blogs, Unternehmenswebsites und kleinere Shops ist das System deshalb häufig die naheliegende Wahl.

Die Kehrseite liegt ebenfalls in der Verbreitung. WordPress-Installationen sind ein lohnendes Ziel für automatisierte Angriffe. Die meisten Sicherheitsvorfälle gehen nicht auf den Kern zurück, sondern auf veraltete Erweiterungen und Themes. Erweiterungen werden vor der Aufnahme in das Verzeichnis nur begrenzt geprüft, ihre Qualität schwankt. Praktische Folgerungen: wenige, gepflegte Erweiterungen einsetzen, Aktualisierungen zeitnah einspielen, regelmäßige Sicherungen anlegen und die Zugänge absichern. Hinzu kommt, dass viele Funktionen erst in der kostenpflichtigen Version einer Erweiterung vollständig verfügbar sind.

Joomla: Mittelweg mit eigener Logik

Figur auf einer Leiter tauscht eine Erweiterungskachel, daneben Schutzschild und Update-Pfeil
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Das Backend von Joomla ist in Inhalte, Menüs, Komponenten und Erweiterungen unterteilt. Komponenten übernehmen umfangreichere Aufgaben wie Formulare, Shops oder Galerien; Module zeigen einzelne Inhalte an bestimmten Stellen der Seite an. Diese Trennung wirkt anfangs sperrig, erlaubt aber eine genauere Steuerung der Darstellung.

Joomla bringt ein differenziertes Rechtesystem und eine Zwei-Faktor-Anmeldung mit. Das Verzeichnis der Erweiterungen ist kleiner als bei WordPress, die enthaltenen Erweiterungen sind dafür häufig sorgfältiger gepflegt. Das System eignet sich für Websites mit mehreren Redakteuren und abgestuften Rechten, ohne den Aufwand einer Unternehmenslösung zu verlangen. Der Markt an Dienstleistern ist allerdings kleiner, was die Suche nach Unterstützung erschweren kann.

TYPO3: für große Strukturen

Verzweigter Seitenbaum von oben, Personen mit verschiedenen Schlüsseln für Rechte
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TYPO3 erschien 1998 und richtet sich an Organisationen mit umfangreichen Inhalten und vielen Beteiligten. Es verwaltet komplexe Seitenbäume, mehrsprachige Auftritte und mehrere Websites in einer Installation. Die Benutzerverwaltung ist fein abstufbar, Freigabeprozesse lassen sich abbilden. Versionen mit Langzeitunterstützung geben Planungssicherheit für mehrere Jahre.

Der Preis dafür ist der Aufwand. Grundlegende Arbeiten wie die Einrichtung des Seitenaufbaus oder ein Relaunch setzen Kenntnisse in der Konfigurationssprache TypoScript voraus. Für redaktionelle Arbeit ist eine Einweisung nötig. Ohne Agentur oder eigene Entwicklung lässt sich das System kaum betreiben, was sich in höheren Stundensätzen und längeren Projektlaufzeiten niederschlägt. Für kleine Websites, Blogs oder ein schnelles Shopprojekt ist TYPO3 in der Regel überdimensioniert.

Technische Grundlagen im Vergleich

Alle drei Systeme sind in PHP geschrieben und speichern Inhalte in einer Datenbank, üblicherweise MySQL oder MariaDB. TYPO3 unterstützt zusätzlich weitere Datenbanksysteme. Anpassungen an der Darstellung erfolgen über Templates sowie über HTML, CSS und JavaScript – Kenntnisse, die bei Webentwicklern verbreitet sind.

Unterschiede zeigen sich bei den Erweiterungen. WordPress hat das mit Abstand größte Angebot, Joomla ein mittleres, TYPO3 ein überschaubares mit stärkerem Fokus auf Unternehmensanforderungen. Mehrsprachigkeit ist bei Joomla und TYPO3 im Kern angelegt, bei WordPress wird sie über Erweiterungen gelöst. Mehrere Websites aus einer Installation beherrschen alle drei, WordPress über die Multisite-Funktion.

Betrieb, Aktualisierungen und Sicherheit

Unabhängig vom System entscheidet der laufende Betrieb darüber, ob eine Website stabil bleibt. Dazu gehören regelmäßige Aktualisierungen von Kern, Erweiterungen und Themes, eine aktuelle PHP-Version auf dem Server sowie automatische Sicherungen von Dateien und Datenbank, die außerhalb des Servers abgelegt werden. Eine Testumgebung, in der größere Aktualisierungen zuerst eingespielt werden, verhindert Ausfälle im laufenden Betrieb.

Beim Zugang zur Verwaltung helfen einfache Maßnahmen: eigene Konten je Person statt eines gemeinsamen Zugangs, Rechte nur im tatsächlich benötigten Umfang, starke Passwörter und eine zweite Anmeldestufe. Verschlüsselte Übertragung über HTTPS ist Standard und Voraussetzung für Formulare und Anmeldungen.

Klären Sie vor dem Start, wer diese Aufgaben übernimmt. In kleinen Organisationen bleibt die Wartung häufig liegen, weil sie niemandem zugewiesen ist. Ein Wartungsvertrag mit festem Umfang oder eine verwaltete Hosting-Umgebung kostet Geld, ist aber meist günstiger als die Wiederherstellung nach einem Vorfall.

Welches System wofür

  • WordPress: Blogs, Unternehmensseiten, Portale mit überschaubarem Redaktionsteam, kleinere Shops. Schneller Start, günstiger Einstieg, dafür konsequente Wartung nötig.
  • Joomla: Websites mit mehreren Redakteuren und gestaffelten Rechten, Vereins- und Verbandsauftritte, mehrsprachige Seiten mittlerer Größe.
  • TYPO3: Konzerne, Hochschulen, öffentliche Einrichtungen und Mittelständler mit vielen Inhalten, festen Freigabeprozessen und langfristiger Planung.

Ein Wechsel des Systems ist aufwendig, weil Inhalte, Struktur und Weiterleitungen übertragen werden müssen. Es lohnt sich deshalb, die Anforderungen der nächsten Jahre einzubeziehen und nicht allein den aktuellen Bedarf.

Der Umgang mit Contentmanagement-Systemen gehört in vielen Marketingstudiengängen zur praktischen Ausbildung, meist in Modulen zu Webtechnologien oder Content-Marketing. Passende Studiengänge finden Sie im Anbieterverzeichnis, Hinweise zu den Abschlüssen auf den Seiten zum Bachelor und zum Master.